Es gibt einen Punkt, an dem man merkt, daß etwas grundlegend kippt.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern leise.
Man wird noch angesprochen.
Man wird noch angeschaut.
Aber nicht mehr wirklich gesehen.
Kapitel 3 meines Buches trägt den Titel
„Wenn die eigene Person zur Projektion wird“.
Es beschreibt nicht den Angriff von außen, sondern den Moment, in dem man erkennt, daß man nicht mehr als Mensch wahrgenommen wird. Sondern als Bild. Als Rolle. Als vereinfachte Figur, die andere geschrieben haben – und die inzwischen stärker wirkt als jede Begegnung.
Die Veränderung zeigt sich nicht in Schlagzeilen.
Sie zeigt sich in Blicken. In Pausen. In Sätzen wie: „Ich habe da etwas gelesen …“
Und irgendwann verschiebt sich der Platz, den man im Raum hat: Man ist nicht mehr Gegenüber, sondern Erwartung.
„Ich war nicht länger Gesprächspartner. Ich war Bedeutung.“
Kapitel 3 zeigt, warum Figuren in der Öffentlichkeit bequemer sind als Menschen. Warum man sie einordnen kann, ohne nachzufragen. Warum Distanz plötzlich „vernünftig“ wirkt.
Besonders schmerzhaft wird dieser Prozeß dort, wo Vertrauen im Spiel ist. Wo Zusagen gemacht wurden. Wo Verantwortung nicht abstrakt ist, sondern Gesichter hat. In diesem Kapitel geht es nicht um Schuld, sondern um Ehre – und um den Punkt, an dem ein Mensch begreift, daß ihm nicht nur ein Projekt entgleitet, sondern die eigene Geschichte.
„JANUS – Wenn ein Name Feuer fängt“ erscheint am 4. Januar 2026 bei Amazon.
Kapitel 3 markiert die innere Zäsur: den Übergang von Handeln zu Erdulden – und den Moment, aus dem später der Entschluß entsteht, die eigene Stimme zurückzufordern.

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