Ein Name für die Katze, ein Dauerauftrag fürs Gewissen

Da war sie wieder, diese Werbung.

Eine, bei der ich fast schon einen Dauerauftrag fürs Gewissen einrichten wollte.
Ein Spendenaufruf. Für eine Organisation.

Getragen von bewegenden Bildern einer verlotterten Straßenkatze. Dünn. Wachsam. Irgendwo zwischen Bordstein und Mülltonne.

Der Dauerauftrag fürs Gewissen beginnt leise

Klaviermusik. Ruhig. Ernst. Diese Art von Ernst, die Pausen macht, damit man innerlich nicken kann. Damit man Zeit hat, betroffen zu sein. Und sich dabei nicht schlecht fühlt.

Man sieht Elend.
Echtes Elend.
Und das ist kein Trick.

Straßenkatzen in Deutschland gibt es wirklich. Hunger, Krankheiten, Kälte – alles real. Wer Tiere mag, weiß das. Wer hinsieht, sowieso. Bis hierhin ist alles in Ordnung. Ehrlich sogar.

Wenn der Name wichtiger wird als das Elend

Und dann kommt das Furchtbarste an der ganzen Geschichte.
Wirklich das Allerschlimmste:

Niemand hat ihr einen Namen gegeben!

Wie kann man nur.
Wie herzlos.
Wie untierisch.

Wie soll sie sich denn bitte anderen Katzen vorstellen?
„Hallo, ich bin …“ – ja was eigentlich?
Wie soll sie Freundschaften knüpfen, ohne Namen?
Wie sich ausweisen?
Was macht das mit einer Katze, wenn kein Mensch jemals daran gedacht hat, ihr einen Namen zu geben?

Daß sie friert, hungert, krank ist – das ist schlimm, keine Frage.
Aber namenlos?
Das ist offenbar eine ganz andere Dimension.

Das geht gar nicht!

Da gibt es ja noch den Hund, der denkt, er hieße „Nein“.
Oder der, der wenigstens „Runter-vom-Sofa“ heißt.
Manche hören auch auf „Pfui-Aus“.
Nicht ideal, sicher. Aber immerhin: Sie wissen, wann sie gemeint sind.

Die Katze dagegen?
Nichts.
Keine Identität.
Kein Etikett.
Kein emotionaler Anker.

Und genau hier wird es interessant.

Denn plötzlich geht es nicht mehr zuerst um Hunger oder medizinische Versorgung. Nicht um Kastration, nicht um langfristige Lösungen. Sondern um etwas viel Greifbareres. Etwas Menschliches. Etwas, das man fühlen kann.

Einen Namen.

Der Dauerauftrag fürs Gewissen und die einfache Lösung

Aber dann – endlich – Hoffnung.

Denn da ist sie, die Organisation, die sich dieses Problems annimmt.
Nicht halbherzig.
Nicht zaghaft.
Sondern groß gedacht.

Jetzt soll jede Katze einen Namen bekommen.
In ganz Deutschland.
Vielleicht sogar darüber hinaus.

Das kostet natürlich Geld.
Viel Geld.
Millionen.

Aber keine Sorge.
Man kann ja helfen.

„Mit nur monatlich 5 Euro …“
Oder so ähnlich.

Fünf Euro für einen Namen.
Das klingt fair.
Identität war schließlich noch nie umsonst.

Was der Dauerauftrag fürs Gewissen nicht zeigt

Mit der Spende, so heißt es, unterstütze man Tierheime in ganz Deutschland.
Die würden dann Futterstellen einrichten.
Und medizinische Versorgung ermöglichen.

Tierheime.

Die, die ohnehin überfüllt sind.
Die, die Tiere aufnehmen müssen, weil sie sonst niemand nimmt.
Die, die Personal bezahlen, Miete, Strom, Heizung.
Die, die seit Jahren am Limit arbeiten und froh sind, wenn der Alltag irgendwie bewältigt wird.

Diese Tierheime sollen jetzt zusätzlich draußen Futterstationen betreiben?
Flächendeckend?
Regelmäßig?
Betreut?
Dokumentiert?

Wer genau richtet diese Futterstellen eigentlich ein?
Wo stehen sie?
Wer füllt sie?
Wer kontrolliert sie?
Wer zahlt den Tierarzt, wenn aus der namenlosen Katze plötzlich eine behandlungsbedürftige wird?

Und dann sind da noch die Organisationen selbst.
Mit Geschäftsstellen.
Mit Verwaltungsapparaten.
Mit Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen, Broschüren, Spots, Social-Media-Teams, Fundraising-Abteilungen.

Alles notwendig, heißt es.
Alles alternativlos.

Ein erheblicher Teil der Spenden fließt dort hinein. In Strukturen. In Personal. In Verwaltung. In Werbung, damit noch mehr Werbung gemacht werden kann. Das ist kein Geheimnis, sondern Alltag. Nur wird es im Spot nicht gezeigt. Dort sieht man keine Büros, keine Gehaltsabrechnungen, keine Marketingpläne. Dort sieht man Katzen.

Und Namen.

Woher weiß ich eigentlich, daß genau diese Katze im Fernsehen einen Namen bekommt?
Und welchen?

„Hope“?
„Luna“?
„Shadow“?

Gibt es dafür eine Liste?
Ein Register?
Eine Urkunde?

Und was passiert, wenn zwei Organisationen dieselbe Katze entdecken?
Heißt sie dann doppelt?
Oder wird sie monatlich neu benannt, je nach Spendenaufkommen?

Und wie viele Straßenkatzen gibt es eigentlich in Deutschland?
Hat das jemand gezählt?
Oder reicht eine Zahl, die groß genug klingt, um betroffen zu schauen?

Am Ende sieht man eine gesunde Katze.
Sauber. Gepflegt.
Eine menschliche Hand krault sie.

Dann der letzte Satz.
Ganz ruhig.
Ganz überzeugend.

„Auch eine Katze ohne Namen hat ein Leben ohne Hunger und Leid verdient.

Natürlich hat sie das.
Darüber muß man nicht reden.

Die Frage ist nur, warum sie dafür zuerst einen Namen braucht.
Und warum sich alles plötzlich so einfach anfühlt, wenn man monatlich fünf Euro abbucht.

Der Dauerauftrag fürs Gewissen läuft – die Katze bleibt

Denn die Katze bleibt irgendwo draußen.
Das Elend bleibt kompliziert.
Die Strukturen bleiben träge.

Aber der Dauerauftrag fürs Gewissen läuft.
Zuverlässig.
Beruhigend.

Und das ist ja auch schon etwas. Oder?

Ungefilterte Nachrichten.

Tragen Sie sich ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

*Datenschutz garantiert. Erfahren Sie mehr in der Datenschutzerklärung.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert